Wiesenflächen zum Erblühen bringen

Extensivierung der Pflege

Rasen- und Wiesenflächen können häufig durch eine einfache Umstellung der Pflegemaßnahmen wieder artenreicher und damit bienenfreundlicher werden, wenn schon Kräuter vorhanden sind.

Vor der Pflegeumstellung sollte überlegt werden, welche Art von Blühfläche erhalten oder gefördert werden soll:

Kleine Braunelle im Kräuterrasen

Kräuterrasen
Durch eine Mahd auf der höchsten Rasenmäherstufe (mind. 8 cm) und ein Mahdintervall von 6-8 Wochen können vorhandene Rasen-Beikräuter blühen. Auf solchen Flächen findet man mähtolerante Arten wie zum Beispiel Gänseblümchen, Kriechender Günsel, Wiesen-Schaumkraut, Brunelle, Gamander-Ehrenpreis oder auch Weißklee.

Margeriten und Kuckuckslichtnelken in einer 2-mähdigen Wiese

2-mähdige Wiese
Dieser Wiesentyp entspricht am ehesten dem Bild einer klassischen Heu- und Blumenwiese und zeichnet sich durch eine besonders hohe Artenvielfalt aus. Bei zwei Mähterminen pro Jahr (ca. Juni und Sept./Okt.) sollte das Mähgut 2-3 Tage auf der Fläche liegen bleiben, damit die Blumen aussamen können. Anschließend ist das Mähgut jedoch zu entfernen. So erreicht man ein Abmagern des Bodens und damit ein höheres und wertvolleres Blütenangebot für die Bestäuber. Auf hochwertigen Wiesen findet man zum Beispiel Margeriten, Schafgarbe, verschiedene Nelken-Arten, Leimkraut, Flockenblumen, Witwenblumen, Glockenblumen, Wiesen-Salbei, Wegwarte oder Klee-Arten (Hinweis: möglichst kein Rot- und Weißklee, da diese sehr dominant werden können)

Bunter Saum
Hochwüchsige, 1-mähdige Flächen passen gut entlang von Zäunen, Hecken, Wald- und Gewässerrändern. Ökologisch besonders wertvoll sind 1-mähdige Flächen, wenn die Mahd erst im zeitigen Frühling (Februar) erfolgt. In hohlen Stängeln können viele Insekten überwintern. Die vorhandenen Arten kommen meist auch mit etwas höherer Nährstoffverfügbarkeit gut zurecht: Königskerzen, Wilde Karde, Rainfarn, Blutweiderich, Arznei-Baldrian, Hornklee, Wilde Malve, usw.

Ist eine Fläche besonders artenreich, kann diese auch als Spenderfläche verwendet werden: Das Mähgut wird dann sofort entfernt und auf eine andere, weniger artenreiche Fläche zum Aussamen gebracht. Die Nutzung als Spenderfläche sollte jedoch nur alle paar Jahre erfolgen, damit auch auf der Ursprungsfläche genügend Samen ausfallen können.

Die Erhöhung und Verbesserung des Blütenangebots durch Extensivierung der Pflege ist ein Prozess, der – je nach Ausgangslage – viele Jahre in Anspruch nehmen kann. Will man diesen Prozess beschleunigen, besteht die Möglichkeit der Anlage von Initialflächen.

Anlage von Initialflächen

In Rasen- oder Wiesenflächen kann das Blütenangebot durch Anlage von Initialflächen stark erhöht werden. In diese Flächen werden zahlreiche heimische, mehrjährige Arten eingebracht, welche sich in die umliegende Wiese ausbreiten können. Die Initialfläche sollte nie schmäler als 1 m sein, da sonst der Bestand die Ansaat überwuchert: die Mindestgröße für eine Initialinsel ergibt sich somit mit 1x1m. Auf größeren Wiesen bietet es sich an Streifen mit 1 m Breite statt mehrerer Initialinseln anzulegen.

Auf der Initialfläche ist die Grasnarbe bzw. Rasensode in einer Stärke von wenigen Zentimetern zu entfernen, zum Beispiel mit einem Sodenschneider. Um wieder auf das Niveau der umliegenden Fläche zu kommen, wird Sand / Kies (Körnung 0/4 bis 0/16 mm) eingearbeitet. In das Saatbeet können heimische Wildstauden gepflanzt (8 – 10 Stück pro m²) oder eine kräuterreiche Blumenwiesenmischung aus zertifiziertem heimischem Saatgut eingesät werden. Um die geringe Menge (ca. 3g/m²) gleichmäßig anzusäen, kann das Saatgut mit Sand vermischt werden. Die Hälfte der Mischung wird am besten in Längsrichtung, die andere Hälfte in Querrichtung ausgesät. Anschließend die Fläche anwalzen, festtreten oder festklopfen zum Bodenschluss. Hinweis: Bitte Saatgut nicht einrechen oder mit Kompost überstreuen, da Wiesenblumen Lichtkeimer sind. Um die feinen Samen nicht auszuwaschen, sollte auch auf Angießen verzichtet werden.

Die Initialfläche wird nach dem Anwachsen entsprechend der Blühflächen-Art gemäht (2-mähdige Fläche: Juni + Sept./Okt. oder 1-mähdiger Bunter Saum: Feb.). Die Pflege des nicht umgewandelten Bestands wird ebenfalls auf dieses Mähintervall umgestellt. Ist der ursprüngliche Bestand sehr wüchsig und blütenarm, kann  zum Abmagern zunächst noch 3-mal jährlich gemäht werden und das Mähgut sofort abtransportiert werden. Nachdem sich die Arten auf der Initialfläche etabliert haben (nach 1-3 Jahren), kann das Mähgut von den Initialflächen auf die umliegende Fläche ausgebreitet werden um dort auszusamen. Das Mähgut sollte dafür 2-3 Tage liegen bleiben und anschließend abtransportiert werden.

Initialflächen können ganzjährig angelegt werden, außer im Hochsommer (Mitte Mai bis Ende August) und bei gefrorenem Boden.

Bei der Auswahl des Saatguts sollte auf hochwertiges, heimisches Saatgut mit mindestens 50 % mehrjähriger Arten geachtet werden. Eine Auflistung möglicher Bezugsquellen ist hier zu finden.

Neuanlage

Rasen- oder Wiesenflächen können durch Neuanlage sehr schnell in eine artenreiche Wildblumenwiese umgewandelt werden. Jedoch ist stets die Bodenbeschaffenheit bei der Auswahl der Samen zu beachten.

Für eine Neuanlage muss zunächst der Bewuchs entfernt werden, zum Beispiel mit einer Fräse. Anschließend kann der meist sehr nährstoffreiche Boden durch das Einarbeiten von Sand / Kies (Körnung 0/4 bis 0/16 mm) abgemagert werden. Nun kann der gewünschte Samen ausgebracht werden, die Vorgehensweise ist die gleiche wie bei der Initialinsel.

Bei der Qualität des Saatguts ist zu beachten, ob einjährige Blühflächen mit Feldblumen (zum Beispiel Mohn, Kornblume oder Ringelblume) angelegt werden sollen oder mehrjährige Blühflächen. Für mehrjährige Blühflächen sollte eine kräuterreiche Blumenwiesenmischung mit mind. 50% mehrjährigen Arten aus zertifiziertem heimischem Saatgut eingesät werden. Bezugsquellen sind hier zu finden. Dies kann auf großen Flächen kostenintensiv sein und sollte bei den Überlegungen zur Neuanlage berücksichtigt werden.

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