Version 1: Kurztext
„Naturfreundliches Garteln“ versteht sich als Kompromiss zwischen dem Trend zu sterilen „Schotter-und-Rollrasen-Gärten“ und einer allzu strengen Auslegung von Naturnahen Gärten, mit überwiegend heimischen Arten. Ökologische Zusammenhänge werden beim Naturfreundlichen Garteln berücksichtigt: Pflanzen werden ihren Licht- und Bodenansprüchen entsprechend gepflanzt. Torf (Moorzerstörung), Spritzmittel und großflächiger Bodenaustausch (z.B. für Schottergärten) sind tabu, auch wenn sie mit einer Einschränkung der Pflanzenauswahl einhergehen. So gibt es im Naturfreundlichen Garten keine Rhododendren im Moorbeet und keinen Alpengarten auf Kalkschutt, wenn es der darunterliegende, gewachsene Boden nicht hergibt.
Was es aber schon geben kann, ist die ein oder andere nicht-heimische Art, welche das Gärtner:innen-Interesse geweckt hat: Der exotische Geschmack der PawPaw / Indianerbanane (Asimina), die Blütenpracht der nordamerikanischen Sonnenhüte (Echinacea) oder eine asiatische Kaki (Diospyros kaki) finden im Naturfreundlichen Garten Platz.
Wichtig dabei ist jedoch, dass (potenziell) invasiv Arten nicht gepflanzt werden. Statt dem Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) wird ein wurzelveredelter Schlehdorn (keine Ausläufer! Prunus spinosa) gepflanzt. Dieser bietet über 100 heimischen Schmetterlingsarten Raupenfutter und würde sich somit den Namen „Schmetterlingsstrauch“ ehrlich verdienen.
Den Lohn des Naturfreundlichen Gartelns kann man dann mit der Kamera festhalten und mit den schönsten Wildbienen-Fotos beim Bienenfreundliche Gemeinde Fotowettbewerb teilnehmen.



dennoch bietet sie vielen bestäubenden Insekten im „Naturfreundlichen Garten“ Nahrung.
Version 2: Langtext
Der „moderne“ Garten, wie er landauf landab zu finden ist, enthält neben ordentlich gemähtem Rasen, Schotterflächen und streng geometrischen Formen oft nur wenige blühende Arten. Diese sind meist weder heimisch, noch nützen sie unseren Insekten: Beispiel die Forsythie ohne Pollen und Nektar. Als Gegenbewegung dazu enthalten Naturgärten – je nach Strenge und Auslegungsart – nur oder zumindest überwiegend heimische Arten. Es wird versucht natürliche Lebensräume nachzubilden, um die heimische Artenvielfalt zu fördern.
Als Kompromiss wollen wir das „Naturfreundliche Garteln“ vorschlagen. Michael Lohmann hat den schönen Begriff „Naturfreundlicher Garten“ bereits 1983 in seinem Buch Öko-Gärten als Lebensraum geprägt. Naturfreundliches Garteln berücksichtigt ökologische Zusammenhänge, ohne dogmatisch zu sein: Pflanzen werden ihren Licht- und Bodenansprüchen entsprechend gepflanzt. Es wird nichts erzwungen oder künstlich mit unverhältnismäßigem Aufwand erschaffen: das Moorbeet mit Rhododendren oder der Alpengarten auf Kalkschutt sind beide nicht zu finden, wenn es der natürliche Boden nicht hergibt. Besonders auf den Einsatz von Torf (Moorzerstörung) und Spritzmittel wird verzichtet.
Das naturfreundliche Garteln ermöglicht es jedoch schon, ohne allzu schlechtem Gewissen, dem Hang zum Pflanzen-Sammeln und Experimentieren nachzugehen: Die Blütenpracht der nordamerikanischen Sonnenhüte (Echinacea), der Versuch, ob die asiatische Kaki (Diospyros kaki) dem heimischen Winter trotzt oder das Pflanzen der PawPaw / Indianerbanane (Asimina) mit dem exotischen Geschmack lassen sich im Garten verwirklichen. Trotzdem werden auch zahlreiche heimische Arten gepflanzt und in einem tiefen Kübel ein kleiner See mit Kalmus oder Froschbiss simuliert, um durstigen Insekten eine Wasserstelle zu bieten.
Naturfreundliches Garteln umfasst speziell den sehr sorgfältigen Umgang mit Arten, die (potenziell) invasiv sind und eine Bedrohung für die heimische Artenvielfalt darstellen. Auf den überall angebotenen Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii) wird verzichtet. Lieber werden heimische Arten gepflanzt, die ähnliche Eigenschaften mitbringen und unseren fleißigen Wildbienen und Schmetterlingen mehr nützen. Als guter Ersatz für den Schmetterlingsflieder eignet sich etwa der Schlehdorn (Prunus spinosa). Er bietet über 100 heimischen Schmetterlingsarten Raupenfutter und würde sich somit den Namen „Schmetterlingsstrauch“ ehrlich verdienen. Tipp: Um die unkontrollierte Ausbreitung über Wurzelausläufer zu verhindern, pflanzt eine veredelte Ertragssorte des Schlehdorns (z.B. Nittel oder Merzig).
Wer dann in seinem naturfreundlichen Garten unterwegs ist oder auf seinem naturfreundlichen Balkon sitzt, seine Bemühungen durch Summen und Brummen bestätigt weiß und mit der Kamera die ein oder andere Wildbiene einfängt (um am Fotowettbewerb der Bienenfreundlichen Gemeinde teilzunehmen), der weiß:
„Wer der Gartenleidenschaft verfiel, ist noch nie geheilt worden.“ (Karl Foerster)
HINWEIS: Honorarfrei verwendbar bei Namensnennung (Text: Klimabündnis OÖ) sowie Verwendung Logo Bienenfreundliche Gemeinde
Den Text zum Download findet ihr hier.